Bunte Papierfiguren in offenen Händen symbolisieren neurodiverse Vielfalt und unterschiedliche Denkweisen im Arbeitsleben.

Neurodiversität im Job: Wird “Anderssein” zur unsichtbaren Belastung?

Irgendwann reicht es nicht mehr, sich zusammenzureißen.
Nicht im Job. Nicht im Alltag. Nicht innerlich.

Viele Menschen – besonders Frauen – glauben dann, sie seien weniger belastbar geworden. Dabei ist oft nicht ihre Stärke verschwunden, sondern ihre Anpassungsenergie.
Anpassungsenergie braucht es vor allem dann, wenn das eigene Denken nicht selbstverständlich in die Erwartungen des Arbeitsalltags passt. Wenn Reize intensiver wahrgenommen werden, wenn Konzentration anders funktioniert oder wenn soziale und organisatorische Anforderungen mehr Kraft kosten als bei anderen.
Dieser Zustand betrifft besonders viele neurodivergente Menschen im Berufsleben – oft ohne dass ihnen bewusst ist, dass genau diese Unterschiede der Grund dafür sind, warum Arbeit sie mehr Energie kostet als andere.

Diese Unterschiede fasst der Begriff Neurodiversität zusammen. Er bezeichnet keine Diagnose, sondern die natürliche Vielfalt menschlicher Denk-, Wahrnehmungs- und Verarbeitungsweisen. Im Berufsalltag bleiben diese Unterschiede oft lange unsichtbar, solange sie durch Anpassung und Kompensation ausgeglichen werden.

Neurodiversität im Job bedeutet nicht, dass Menschen weniger leisten können. Sie brauchen oft andere Strukturen, einen bewussteren Umgang mit Reizen und klarere soziale Rahmenbedingungen.
Viele neurodivergente Menschen haben im Arbeitsalltag über Jahre gelernt, diese Unterschiede auszugleichen. Sie haben ihre Eigenheiten überspielt, Anforderungen hingenommen und Belastungen in andere Lebensbereiche verlagert. Dieses fortwährende Anpassen – das bewusste oder unbewusste Verbergen der eigenen Art zu denken – wird als Masking bezeichnet. Im Berufsalltag ist es häufig eine unsichtbare Dauerleistung.
Lange kann das gut gehen. Doch dann verändert sich etwas. Eine Kündigung, eine familiäre Krise, eine Trennung oder eine Phase hoher Überforderung. Plötzlich fehlt die Kraft, weiter zu maskieren. Reize werden zu viel, Anforderungen überwältigend, Rückzug oder Erschöpfung nehmen zu. Das ist keine Verschlechterung der eigenen Fähigkeiten. Es ist der Moment, in dem Anpassung nicht mehr möglich ist und sichtbar wird, was immer da war.

Die Lösung liegt in solchen Momenten nicht darin, sich erneut zusammenzureißen oder wieder funktionieren zu lernen. Sie beginnt damit, das eigene Anderssein zu verstehen, die bisherigen Anpassungsleistungen ernst zu nehmen und Arbeit neu zu denken – so, dass sie zum eigenen Denken, Fühlen und Wahrnehmen passt. Ähnlich wie nach der Elternzeit braucht es auch hier neue Perspektiven. Nicht, weil etwas kaputt ist, sondern weil sich das Leben verändert hat und der Job nicht mehr dazu passt.

Wenn Leistung nicht mehr reicht

In Coachings zeigt sich häufig, was nach Jahren der Anpassung passiert. Menschen, die leistungsfähig, reflektiert und engagiert sind, verlieren nach langem Funktionieren ihre Energie. Genauer gesagt verlieren sie ihre Anpassungsenergie. Nicht, weil sie weniger können oder nicht mehr mithalten würden, sondern weil die Kraft fehlt, sich dauerhaft an ein Umfeld anzupassen, das nicht zu ihrer Art zu denken passt.
Solange nicht klar ist, dass es sich um eine andere Art zu denken und Reize zu verarbeiten handelt, beginnt etwas anderes. Zweifel entstehen. Rückzug nimmt zu. Berufliche Schritte werden kleiner. Und es wird immer schwerer, einen Job zu finden oder zu halten, der sich stimmig anfühlt.
Was von außen wie ein persönliches Problem wirkt, hat oft damit zu tun, dass Arbeitsweisen, Tempo und Erwartungen nicht zur eigenen Art zu denken passen.
Schätzungen zufolge sind etwa 15–20 % der Weltbevölkerung neurodivergent – also Menschen, deren Wahrnehmung, Denken und Informationsverarbeitung von der neurotypischen Norm abweicht. Dazu zählen zum Beispiel ADHS, Autismus-Spektrum-Ausprägungen oder Dyslexie. Hochsensibilität wird in diesem Zusammenhang häufig genannt, zählt jedoch nicht eindeutig zur medizinisch definierten Neurodiversität, kann aber ähnliche Muster der Reizverarbeitung aufweisen.
Die tatsächliche Zahl dürfte höher liegen, da viele Menschen keine formelle Diagnose erhalten oder ihre neurodivergente Veranlagung gar nicht kennen. Oft auch deshalb, weil sie gelernt haben, sich anzupassen und im Alltag zu funktionieren.

Gleichzeitig sind viele Arbeitswelten auf ein sehr bestimmtes Denken ausgerichtet – auf neurotypische Menschen und deren Art zu kommunizieren, zu arbeiten und Leistung zu erbringen.
Bildlich gesprochen funktionieren diese Arbeitswelten wie ein Standard-Betriebssystem. Neurodivergente Menschen arbeiten mit einem anderen System, das genauso leistungsfähig ist, aber andere Anforderungen stellt.
Solange Anpassung möglich ist, funktioniert das oft erstaunlich lange. Doch wer anders wahrnimmt, verarbeitet oder arbeitet, hält dieses dauerhafte Anpassen nicht unbegrenzt durch.

Neurodiversität: Anders denken ist normal

Der Begriff Neurodiversität beschreibt die natürliche Vielfalt menschlicher Gehirne. Menschen unterscheiden sich darin, wie sie denken, fühlen und Reize verarbeiten. Manche weichen dabei von der sogenannten neurotypischen Norm ab. Das ist keine Krankheit und kein Defizit, sondern eine Variante menschlicher Wahrnehmung und Informationsverarbeitung.

Genau diesen Perspektivwechsel greift auch die Barmer Krankenkasse auf. Sie beschreibt Neurodiversität als Ausdruck menschlicher Vielfalt und stellt die Frage, wer eigentlich festlegt, was als „normal“ gilt.
Für viele Betroffene ist diese Einordnung entlastend. Sie erklärt, warum sich Arbeit, Lernen oder soziale Anforderungen oft anstrengender anfühlen – nicht aus mangelnder Fähigkeit, sondern weil Strukturen selten auf unterschiedliche Denkweisen ausgelegt sind.
Neurodivergente Menschen nehmen ihre Umwelt oft intensiver wahr. Sie denken vernetzter, fokussierter oder detailreicher, erkennen Muster und Zusammenhänge oder können sich über längere Zeit sehr tief in ein Thema vertiefen. Gleichzeitig kann genau diese Art der Wahrnehmung dazu führen, dass Reize schneller überfordern oder mehr Zeit für Verarbeitung nötig ist.
Im Berufsleben zeigen sich diese Unterschiede besonders deutlich. In kreativen Tätigkeiten profitieren viele von ihrer schnellen Ideenverarbeitung und ihrem inneren Bilderreichtum. In technischen oder analytischen Bereichen zeigt sich häufig eine hohe Präzision und Ausdauer. Auch in dynamischen Arbeitsfeldern – also dort, wo sich Aufgaben, Anforderungen und Situationen schnell verändern – kann neurodivergentes Denken zur Stärke werden, etwa wenn schnelles Erfassen, Reaktionsfähigkeit und Präsenz gefragt sind.
Viele wissen lange nichts davon. Nicht, weil man es nicht sehen könnte, sondern weil sie früh gelernt haben, sich anzupassen. Schon in Schule und Ausbildung wird oft vermittelt, was als „normal“ gilt und was nicht. Wer anders denkt, anders lernt oder anders reagiert, erlebt schnell Missverständnisse, Kritik oder Ausgrenzung und beginnt, sich selbst zu regulieren, zu überspielen oder zu kompensieren.

Studien und Fachbeiträge zeigen, dass Neurodiversität häufig schon im Kindesalter nicht erkannt wird – mit Folgen, die sich bis ins Erwachsenen- und Berufsleben fortsetzen. Darauf weist auch die AOK als gesetzliche Krankenkasse hin, die beschreibt, wie neurodivergente Menschen lange mit Vorurteilen und fehlendem Verständnis konfrontiert sind.
Nach außen funktioniert diese Anpassung oft erstaunlich gut. Nach innen kostet sie Kraft.

Neurodiversität ist normal und Teil menschlicher Vielfalt. Neurodivergente Menschen bringen besondere Stärken mit, die in passenden beruflichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen sichtbar werden. Der entscheidende Perspektivwechsel liegt darin, Unterschiede nicht als Defizit zu sehen, sondern als Potenzial.

Masking: Wenn Anpassung zur Dauerleistung wird

Viele neurodivergente Menschen lernen früh, ihre Eigenheiten zu verbergen, um in eine neurotypische Norm zu passen. Nicht aus freien Stücken, sondern weil es notwendig war. Weil sie sonst auffielen, aneckten oder ausgegrenzt wurden. Oder weil sie früh die Erfahrung machten, dass ihr Verhalten als „zu viel“, „zu sensibel“ oder „nicht passend“ bewertet wurde. Dieses ständige Anpassen wird als Masking bezeichnet.

Masking bedeutet zum Beispiel:

  • Reize aushalten, obwohl sie überfordern
  • Emotionen kontrollieren, obwohl sie stark sind
  • soziale Erwartungen erfüllen, obwohl sie Kraft kosten
  • sich in Meetings oder Gesprächen permanent selbst zu beobachten und das eigene Verhalten anzupassen
  • Pausen, Rückzug oder Überforderung aufzuschieben, um weiter „zu funktionieren“


Das funktioniert oft jahrelang, kostet aber enorm viel Energie.

Wenn Masking zusammenbricht und warum das kein Zufall ist

Manchmal reicht ein einschneidendes Ereignis, damit diese Schutzschicht nicht mehr hält. Das kann eine persönliche oder berufliche Krise sein, etwa eine Kündigung, eine Trennung, der Verlust von Sicherheit, anhaltende Überforderung oder ein beruflicher Bruch. In solchen Phasen wird das Nervensystem so stark belastet, dass die Energie für weiteres Masking fehlt.
Was dann passiert, erleben viele als Verlust von innerer Kontrolle. Reize lassen sich nicht mehr filtern, Erschöpfung nimmt zu, emotionale Reaktionen werden intensiver. Rückzug oder Überforderung treten stärker in den Vordergrund. Dinge, die vorher gerade noch kontrollierbar waren, fühlen sich plötzlich nicht mehr machbar an.

Wichtig ist dabei eines:
Das ist keine Verschlimmerung der Neurodiversität. Es ist das Sichtbarwerden dessen, was immer da war. Nicht das Denken hat sich verändert, sondern die Energie, es weiter zu unterdrücken, ist aufgebraucht.

„Ich bin nicht mehr so belastbar“ – oder sehe ich mich nur anders?

In dieser Phase richtet sich der Blick oft fast ausschließlich auf das, was nicht mehr geht. Viele vergleichen sich mit früher, mit alten Leistungsbildern oder mit Erwartungen, die einmal gepasst haben. Was früher als „normal“ galt, wird plötzlich zum Maßstab für persönliches Scheitern.

Dabei geraten vorhandene Stärken und Fähigkeiten aus dem Blick.

  • analytisches Denken, das komplexe Zusammenhänge schnell erfasst
  • hohe Empathie und ein feines Gespür für Stimmungen und Menschen
  • Kreativität und die Fähigkeit, neue Lösungswege zu entwickeln
  • tiefe Konzentration, wenn die Rahmenbedingungen stimmen
  • ein ausgeprägtes Gefühl für Details, Qualität und Zusammenhänge


Was selbstverständlich erscheint, wird nicht als Stärke erkannt. Was Mühe kostet, rückt in den Vordergrund. So verschiebt sich der innere Maßstab.
Und genau hier beginnt ein Kreislauf, der sich selbst verstärkt: Selbstzweifel nehmen zu, Rückzug beginnt, berufliche Schritte werden kleiner oder ganz vermieden. Nicht, weil Fähigkeiten fehlen, sondern weil der Blick auf das eigene Können verloren gegangen ist.

Neurodiversität und Arbeitswelt: Ein Passungsproblem

Viele Arbeitsstrukturen sind auf neurotypisches Verhalten ausgerichtet. Tempo, Reizdichte, Kommunikationsformen und die Erwartung dauerhafter Verfügbarkeit setzen voraus, dass alle Menschen ähnlich wahrnehmen, verarbeiten und reagieren. Für neurodivergente Menschen kann genau das dauerhaft erschöpfend sein – selbst dann, wenn sie fachlich kompetent, engagiert und leistungsfähig sind.
Gleichzeitig gibt es Unternehmen, die diese Unterschiede bewusst nutzen. Internationale Fachplattformen wie das Neurodiversity Directory zeigen, dass Neurodiversität im Arbeitskontext kein Randthema ist, sondern eine Frage von Struktur und Gestaltung. Nicht aus sozialem Idealismus, sondern weil erkannt wurde, dass unterschiedliche Denkweisen neue Perspektiven eröffnen. Genauigkeit, Mustererkennung, kreative Lösungsansätze oder tiefe fachliche Konzentration entstehen oft dort, wo nicht alle gleich denken müssen.

Das Problem ist deshalb selten der Mensch. Oft ist es der Rahmen, in dem gearbeitet wird.
In diesem Zusammenhang gewinnt auch der Ansatz des Job Craftings an Bedeutung. Er beschreibt die Möglichkeit, Aufgaben, Arbeitsweisen oder Schwerpunkte bewusst so zu gestalten, dass sie besser zur eigenen Denkweise passen – ohne sofort den Job zu wechseln. Gerade für neurodivergente Menschen kann Job Crafting helfen, Reizbelastung zu reduzieren, Stärken gezielter einzusetzen und Energie im Arbeitsalltag zu schonen.

Neurodiversität und Selbstständigkeit: Wenn eigene Wege entlasten

Manche neurodivergente Menschen finden ihren Platz nicht in klassischen Organisationsstrukturen, sondern dort, wo sie Arbeitsbedingungen selbst gestalten können. Nicht, weil sie sich nicht einfügen wollen, sondern weil starre Rahmen oft mehr Energie kosten, als sie langfristig leisten können.

Erfahrungsberichte und Beobachtungen zeigen, dass sich unter Gründerinnen und Gründern überdurchschnittlich viele Menschen mit neurodivergenten Denkweisen finden. Nicht, weil Selbstständigkeit einfacher ist, sondern weil sie andere Spielräume eröffnet: eigene Arbeitszeiten, klare Fokusthemen, weniger Reizdichte und mehr Autonomie.
Gerade für Menschen, die sehr fokussiert arbeiten, Muster schnell erkennen oder tief in Themen eintauchen können, entsteht so ein Rahmen, in dem diese Stärken wirken dürfen. Was im klassischen Arbeitsumfeld oft als „zu viel“, „zu speziell“ oder „nicht passend“ erlebt wird, kann in selbstgestalteten Arbeitsformen zu Klarheit, Qualität und echter Wirksamkeit werden.
Viele, die sich im Arbeitsmarkt lange angepasst haben, erleben eine Gründung deshalb nicht als Flucht oder Risiko, sondern als Möglichkeit, im eigenen Rhythmus zu arbeiten. Nicht jede Selbstständigkeit passt zu jedem Menschen. Aber für manche ist sie kein Ausweg, sondern ein Ankommen.

Eine neue berufliche Richtung andenken

Coaching bedeutet in diesem Kontext keine Diagnosen und keine neuen Schubladen.
Es geht um Orientierung, Verständnis und Stimmigkeit.

Es bedeutet zum Beispiel:

  • die eigene Art zu denken besser zu verstehen
  • Masking und Anpassungsleistungen zu erkennen
  • Stärken wieder sichtbar zu machen
  • Bedürfnisse ernst zu nehmen
  • berufliche Wege zu entwickeln, die zur eigenen Art zu arbeiten passen


Gerade Stärkencoaching kann helfen, den Blick zu verändern: weg vom Defizit, hin zu dem, was möglich ist und entlastet. Nicht jede Arbeit funktioniert in jedem System. Aber für jede Art zu denken gibt es Arbeitsumfelder, in denen Fähigkeiten wirksam werden können.
Für manche Menschen gehört zu dieser Neuorientierung auch der Gedanke an Selbstständigkeit oder Existenzgründung. Nicht als sofortiger Schritt, sondern als Möglichkeit, Arbeit so zu gestalten, dass sie besser mit der eigenen Denk- und Arbeitsweise vereinbar ist. Auch das lässt sich im Coaching in Ruhe prüfen: ob eine Existenzgründung grundsätzlich infrage kommt, welche Rahmenbedingungen hilfreich wären und welche Formen der Unterstützung es gibt.
In bestimmten Situationen können solche Prozesse auch über ein AVGS-Coaching begleitet werden (ein Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters). Nicht als Versprechen, sondern als Option, die geprüft werden kann.

Entscheidend bleibt, eine berufliche Richtung anzudenken, die langfristig entlastet, stabilisiert und zum eigenen Leben passt.

Mein Impuls an dich

Frag dich heute einmal:
„Gibt es Bereiche in meinem Job oder Alltag, in denen ich mich anders erlebe – sensibler, schneller erschöpft, tiefer denkend, stärker reagierend oder einfach nicht passend zu dem, was erwartet wird?“

Wenn ja, dann darf eine zweite Frage folgen:
„Was, wenn dieses Anderssein kein Problem ist, sondern ein Hinweis?“

Nicht auf etwas, das repariert werden muss. Sondern auf Fähigkeiten, Bedürfnisse oder Potenziale, die bisher keinen Raum hatten.
Du musst nichts festlegen.
Nichts erklären.
Nichts labeln.

Vielleicht reicht es, den Blick ein kleines Stück zu verschieben. Weg von dem, was nicht mehr geht.
Hin zu der Frage, unter welchen Bedingungen du gut arbeiten kannst und was in dir vielleicht mehr steckt, als du bisher sehen konntest.

Manchmal beginnt Veränderung nicht mit einer Entscheidung, sondern mit einem neuen Blickwinkel. Und manchmal reicht genau das, um eine berufliche Richtung zu finden, die sich wieder gut anfühlt.

Fazit: Neurodiversität als Erlaubnis

Dass Neurodiversität heute so viel Aufmerksamkeit bekommt, ist kein Zufall. In einer Welt und besonders in der Arbeitswelt, die komplexer, schneller und reizintensiver geworden ist, stoßen viele Menschen an Grenzen, die lange unsichtbar geblieben sind.
Neurodiversität ist dabei kein Trendbegriff und keine neue Schublade. Sie ist eine Einladung, Menschen differenzierter zu betrachten – sich selbst eingeschlossen. Sie hilft, Erfahrungen einzuordnen, die lange als persönliche Schwächen oder mangelnde Belastbarkeit verstanden wurden.
Dass etwas schwerfällt, bedeutet nicht, dass man dafür ungeeignet ist. Oft zeigt es nur, dass die Bedingungen nicht zur eigenen Art zu denken und zu arbeiten passen. Und nicht alles, was anders ist, muss angepasst werden.
Viele Schwierigkeiten entstehen nicht, weil Menschen zu wenig leisten, sondern weil sie zu lange unter Bedingungen arbeiten, die nicht zu ihrer Art zu denken, zu fühlen und wahrzunehmen passen. Wird das erkannt, entsteht oft zum ersten Mal Entlastung und mit ihr die Möglichkeit, den eigenen Weg neu zu denken.
Dafür braucht es nicht zwingend einen radikalen Umbruch. Oft reicht ein Perspektivwechsel, veränderte Rahmenbedingungen oder Unterstützung dabei, die eigenen Stärken wieder sichtbar zu machen.
Neurodiversität kann genau das sein: eine Erlaubnis, sich nicht länger zu verbiegen, sondern Arbeit und Leben so zu gestalten, dass sie zusammenpassen.

Zum Schluss ein Zitat:

„Manchmal ist nicht der Mensch das Problem, sondern die Umgebung, in der er versucht zu funktionieren.“
Andrea Ruisinger

Neurodiversität im Job – kurz zusammengefasst

Dieser Artikel gibt einen Überblick über Neurodiversität im Job, Masking im Arbeitsalltag und mögliche Wege zu mehr Entlastung und beruflicher Orientierung.

  • Neurodiversität beschreibt natürliche Unterschiede im Denken, Wahrnehmen und Verarbeiten.
  • Neurodivergent oder neurodivers?
    Als neurodivergent werden einzelne Menschen bezeichnet, deren Denken von der gesellschaftlichen Norm abweicht – etwa bei ADHS oder Autismus-Spektrum-Ausprägungen.
    Neurodivers beschreibt die Vielfalt unterschiedlicher Denk- und Wahrnehmungsweisen innerhalb einer Gruppe oder Gesellschaft.
  • Viele neurodivergente Menschen maskieren ihre Eigenheiten über Jahre, um zu funktionieren.
  • Belastende Ereignisse wie Kündigungen, Krisen oder Trennungen können diese dauerhafte Anpassung an ihre Grenzen bringen.
  • Wird das Anderssein deutlicher, bedeutet das nicht, dass etwas schlechter geworden ist, sondern dass zu lange Kompensation nicht mehr möglich ist.
  • Coaching kann dabei unterstützen, Stärken neu einzuordnen und berufliche Wege zu entwickeln, die besser zur eigenen Arbeitsweise passen.

Weiterführender Impuls:
Wer die Vielfalt menschlicher Gehirne besser verstehen möchte, findet in der WDR-Quarks-Dokumentation „Wie wir ticken: So vielfältig sind unsere Gehirne“ eine gut verständliche und wissenschaftlich fundierte Einordnung. Die Sendung zeigt, wie unterschiedlich Gehirne arbeiten und warum Abweichungen von der Norm kein Defizit sind.

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